Hohlwege in unserer Region

Hohlwege sind eine spannende Erscheinung in den Lössgebieten der Vorbergzone und Richtung Schwarzwaldrand, die sich meist zwischen den in der Landschaft eingebetteten Ortschaften finden. Es sind alte Wege, die sich durch Benutzung des Menschen langsam (über Jahrhunderte) in das lockere Lössgestein eingetieft haben. Dieses lockere Gestein ist Grundvoraussetzung für die Entstehung der bis über 10m tiefen Hohlwege in unserer Region. Die Kahlenberggasse ist wahrscheinlich über 1000 Jahre alt!

In historischen Verzeichnissen von 1325/30 wird diese bereits „bim alten wege“ genannt. 1721 dann „altweg gaß“. Sie stellt einen Teil der direkten Ortsverbindung zwischen Herbolzheim und Ettenheim dar und dürfte mit den jeweiligen Ortsgründungen Ihren Ursprung besitzen. Heute dient sie dem landwirtschaftlichem Verkehr sowie als Wander- und Pilgerweg zur Kahlenbergkapelle.

Die Hohlwege sind aber nicht nur kulturhistorische Dokumente sondern gleichzeitig wichtige Rückzugsgebiete für die heimische Tier- und Pflanzenwelt (siehe auch die Hohlweg-Info PDF). Alle Hohlwege sind durch das Landesnaturschutzgesetz geschützte Biotope. Doch dieser gesetzliche Schutz hilft den Naturoasen oft herzlich wenig. Mal ist der Schutzstatus nicht bekannt oder er wird von den Eingriffs- genehmigenden Verwaltungen unterschätzt.

Der NABU Ettenheim setzt sich seit Jahren für den Erhalt der Hohlwege ein. Bei Baumaßnahmen in der Altwickgasse (Wasserleitung, Auffüllung 1992), bei Wallburg (komplette Auffüllung 1996), den Ettenheim und Ettenheimweiler verbindenden Hohlwegen (Gasleitung 1995), Böschungseingriff Weilerberghohlweg (2003) und zuletzt bei Baumaßnahmen an der Kahlenberggasse (unnötiger Böschungsabtrag 2008) musste der Weg oft über die Presse beschritten werden, um den Biotopen und der Allgemeinheit zu Ihren Recht zu verhelfen, was aber regelmäßig nur eingeschränkt gelingt. Ganz selten kommt ein Hohlweg in den „Genuß“ einer Sanierung, so wie das Vorzeige- Beispiel bei der Marienkapelle in Kippenheim.

Der Erhalt der „Hohlen“ dient inzwischen vor allem der Naherholungsfunktion. Bei winterlichen Spaziergängen bietet ein Hohlweg Schutz vor kalten Winden. Umgekehrt lockt das Spiel aus Licht und Schatten an heißen Sommertagen nicht nur den Menschen an. Das kühlere Klima im Vergleich zur Umgebung schätzt auch das Waldbrettspiel. Der Tagfalter ist regelmäßig,  insbesondere im Mai, Juli und August in den Hohlgassen anzutreffen.  An wärmeren, offenen Lössstellen siedeln wilde Lössbienen oder die Pelzbiene. In der Nähe der kühleren Wegsohle finden sich entsprechende Pflanzenarten, wie der immergrüne Schildfarn, die das Naturerlebnis abrunden.