Fledermausschutz

Fledermäuse leben mitten unter uns. Wir setzen uns für den Erhalt der kleinen Nachtakrobaten ein: In ausgesuchten Landschaftsstrukturen haben wir Fledermauskästen angebracht und kontrollieren diese regelmäßig.

Kastenkontrolle Kaiserwald

Die dabei vorgefundenen Fledermäuse werden bestimmt. Diese Kontrollen geben wichtige und spannende Informationen über die bei uns vorkommenden Fledermausarten und deren Lebens- gewohnheiten.

Im Sommerhalbjahr werden in bekannten Fledermausquartieren, -vor allem Kirchen, sog. Ausflugszählungen vorgenommen. Vor allem das Zählen der ausfliegenden „Großen Mausohren“ spielt dabei eine große Rolle, da diese Art bundesweit in einem Mausohr-Monitoring erfasst wird.

Sollten Sie Fledermäuse bei sich zu Hause entdecken oder würden Sie gerne Fledermäusen einen Unterschlupf bieten, so helfen wir Ihnen gerne weiter. Wir informieren fledermausinteressierte kleine und große Menschen im Rahmen von Vorträgen und Exkursionen wie z.B. durch die Teilnahme an der Europäischen Fledermausnacht, Kinderferienprogramm usw.

Durch Öffentlichkeitsarbeit, die Suche nach fliegenden Fledermäusen in der Nacht und Netzfänge, versuchen wir mehr über unsere Fledermausvorkommen zu erfahren. Auch im Fledermausschutz ist die Fortbildung wichtig. Daher nehmen wir regelmäßig an den Tagungen der Arbeitsgemeinschaft Fledermausschutz Baden-Württemberg teil und stehen im fachlichen Austausch mit anderen Fledermauskundlern.

Im folgenden finden Sie einige Beispiele, die den Fledermausschutz rund um Ettenheim betreffen:

 

Mausohr-Wochenstube im Pfarrhaus Schweighausen

Seit 1995 betreut die Arbeitsgemeinschaft Fledermausschutz Baden-Württemberg (AGF) zusammen mit der NABU Gruppe Ettenheim das Fledermausquartier im Pfarrhaus Schweighausen. Es handelt sich um ein bedeutendes Sommerquartier des Großen Mausohr mit 300 bis 400 Tieren jährlich.

Ab 1995 regelmäßige Kontrolle des Dachstuhls im Pfarrhaus:

29.07.1995 102 Tiere
31.05.1996 55 Tiere
29.07.1996 110 Tiere
26.07.1997 128 Tiere
02.08.2006 429 Tiere (mit Jungtieren)
31.05.2008 292 Tiere (ohne Jungtiere)
23.05.2010 392 Tiere
02.07.2011 381 Tiere

Das Große Mausohr (Myotis myotis) ist die größte heimische Fledermaus. Ein fliegendes Mausohr hat ungefähr die Spannweite einer Amsel.

Die Mausohr-Weibchen suchen im Frühjahr warme Dachspeicher von Kirchen oder Schlösser auf um dort ihre Jungen zur Welt zu bringen. Solche „Geburtsstuben“ werden Wochenstuben genannt. Dabei bringt ein Fledermausweibchen nur 1 Junges zur Welt (selten Zwillinge), das ca. 4 bis 6 Wochen gesäugt wird. Danach beginnt für die Jungtiere der Flugunterricht und sie müssen lernen, auf die Jagd zu gehen.

Große Mausohren ernähren sich hauptsächlich von großen Laufkäfern und Mistkäfern. Diese finden sie, indem sie mit ihren großen Ohren nach Käfer-Krabbelgeräuschen horchen. Sie jagen gerne im tiefen Flug über offene Waldböden und werfen sich aus der Luft auf ihre Beute.

Im Herbst beginnen die Fledermäuse mit der Balz, bevor sie dann frostsichere Höhlen zum Winterschlaf aufsuchen.

Geeignete Sommer- und Winterquartiere werden über Jahrzehnte regelmäßig aufgesucht. Der Schutz und Erhalt dieser Quartiere kommt deshalb eine besondere Bedeutung zu.

 

Ehemaliger Eiskeller dient Fledermäusen als Winterquartier

Ehemaliger Eiskellers der Schlossbrauerei Stöckle

Es ging im Dorf stets das Gerücht um, im Keller der Brauerei in Schmieheim würden Fledermäuse leben. Der Sache auf den Grund gingen die Fledermausexperten des NABU Ettenheim erstmals im August 1997 und wurden auch gleich fündig. Eine Langohr Fledermaus wurde in einem Spalt entdeckt.

Seither werden jeden Winter die Spalten und Ritzen des ehemaligen Eiskellers der Schlossbrauerei Stöckle in Kippenheim-Schmieheim auf Fledermäuse durchsucht. Der in den Berg führende Gewölbekeller aus Sandstein wurde früher zur Lagerung der im Winter geschlagenen Eisblöcke genutzt, mit denen dann das Bier im Sommer gekühlt wurde. Ursprünglich war der Zugang mit einem Holztor verschlossen.

Dank der Unterstützung der Schlossbrauerei Stöckle konnte 2006 ein fledermausfreundliches Tor eingebaut werden, um den Einflug der überwinternden Tiere zu ermöglichen. Außerdem wurde über dem Eingang eine Hinweistafel angebracht.

Nachdem der Einflug für Fledermäuse so deutlich einfacher wurde, konnten nun jeden Winter Fledermäuse in den Spalten nachgewiesen werden. Vor allem das Große Mausohr, welches im Stölcker Areal Ettenheim mit 500 bis 600 Tieren im Sommer vorkommt, wird regelmäßig als Wintergast im Eiskeller angetroffen.

Fledermaus in einer Nische

Tiefer in den Spalten verstecken sich die Langohren. Dabei kann bei einer Kontrolle immer nur ein kleiner Bruchteil der tatsächlich überwinternden Tiere auch tatsächlich gefunden werden.

Um die Situation für die Fledermäuse noch weiter zu verbessern, wurde im Sommer 2007 der Eiskeller von der Freiwilligen Feuerwehr Schmieheim aufgeräumt.

In einer großen Aktion arbeiteten die Kinder und Jugendlichen der Jugendfeuerwehr mit ihren großen Kameraden einen ganzen Samstag im Keller um die teilweise bis zur Decke gestapelten alten Bierkästen umzusetzen und nicht mehr benötigte Kisten zu entsorgen.

Der ehemalige Eiskeller der Schlossbrauerei Schmieheim hat sich in den vergangenen Jahren als Überwinterungs-quartier für Fledermäuse bewährt.

 

(Bedauerlich ist lediglich, dass nun eine Gefährdung der Fledermäuse von ganz anderer Seite kommt. Bei den letzten Kellerkontrollen wurden leider zerbrochene Flaschen und Reste von Feuerwerkskörpern im Eingangsbereich gefunden. Und kaum zu glauben, aber leider wahr, wurde im Februar 2012 das schöne Fledermausschild über dem Eingangsbereich des Kellers mutwillig entfernt!)

 

Möchten Sie mehr über uns und unsere Arbeit erfahren, dann setzen Sie sich gerne mit uns in Verbindung.